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Wissenschaft und Lehre

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Die wissenschaftliche Karriere ist entgegen der allgemeinen Meinung nicht die Notlösung für all diejenigen, die in der Industrie nicht unter gekommen sind, sondern eine universitäre Karriere ist eine Herausfoderung und Abenteuer zugleich. Doch selbst seit Einführung der Juniorprofessur schaffen es nur wenige, aufgrund limitierter Stellen, eine heiß ersehnte Professur zu ergattern. Der Weg bis hin zur Professur ist steinig. unter anderem auch, weil die meisten Stellen, ob Postdoc-Stellen, Promotionsstellen oder Assistentenstellen in der Regel auf drei oder fünf Jahre befristet sind. Der Aspirant muß eine Menge an Hürden überwinden, denn nur die Promotion, Habilitation und die Berufung alleine reichen nicht mehr aus. Es zählen heute die Anzahl der Veröffentlichungen, die Popularität an der wissenschaftlichen Community, ein umfassendes Netzwerk und, und .... Selbst wenn er all diese Hürden gemeistert hat, gehört noch das gewisse Quentchen Glück dazu, daß genau zur richtigen Zeit eine Professur mit dem passenden Profil frei wird. Hier heißt es dann auch noch die Bewerbungshürden meistern! Wer sich auf eine Universitätsprofessur bewirbt, braucht viel Geduld. Ein Berufungsverfahren kann sich sehr lange hinziehen. Laut Wissenschaftsrat vergehen im Durchschnitt fast zwei Jahre, bis eine Zu- oder Absage bei den Kandidaten ankommt.

Um die Probleme und Gefahren der Befristung bei sogeannten Junior-Professuren zu reduzieren wurde in Deutschland das Tenure-Track-Programm eingeführt. In Deutschland, anders als das gleichnamige Verfahren in den USA, wird das Tenure track meistens so praktiziert, dass sich eine junge Wissenschaftlerin oder ein junger Wissenschaftler auf eine befristete Juniorprofessur bewirbt und im Falle der Einstellung die Zusage erhält, bei Bewährung, sprich: bei positiver Begutachtung nach etwa drei bis vier Jahren, entfristet zu werden. Das Erlangen einer Tenure track Position bedeutet also, dass sich nach erfolgreicher Evaluation unmittelbar eine Dauerstelle anschließt. Allerdings setzen bisher erst wenige deutsche Universitäten das Tenure track-Modell konsequent um. Der Sprung auf eine Professur ist häufig noch mit dem obligatorischen Ortswechsel verbunden, eine Folge des sogenannten Hausberufungsverbots. Dies haben mehrere Bundesländer mittlerweile gelockert.

Genau aus den oben ausgeführten Gründen gehen auch viele Nachwuchswissenschaftler für eine Zeit ins Ausland. Viele  zieht es in die USA, weil man sagt, "wer einmal in der Wissenschaft was werden will, der war in den USA". Dass es viele und gerade Naturwissenschaftler in die USA zieht, wird seit Jahren nicht zuletzt in den Medien unter dem Stichwort „Brain Drain“ diskutiert. Darüber, wie groß die Gruppe der USA-Deutschen eigentlich ist, gibt es allerdings keine abschließende Klarheit. Nach Schätzungen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zieht es jeden siebten nach seiner Promotion früher oder später vorübergehend in die USA. Die meisten verlassen Deutschland mithilfe eines Förderprogramms – beispielsweise des DAAD, der DFG oder der Alexander von Humboldt-Stiftung. Die Studie „Wissenschaft weltoffen“ vom DAAD und dem Hochschul-Informations-System zählte 2003 1.440 geförderte deutsche Wissenschaftler in den USA, darunter 775 Graduierte, 354 Postdocs sowie 300 Wissenschaftler und Hochschullehrer (www.wissenschaft-weltoffen.de).

Wer denn zumindest eine Promotion und einige Jahre praktische Tätgikeit in einem relevanten Berufsfeld vorweisen kann, der hat Aussichten auf eine Position als Professor an einer Fachhochschule. Dort findet in den nächsten Jahren eine art Generationswechsel statt, der dazu führt, daß eine Vielzahl von Professorenstellen neu ausgeschrieben werden. Die Bezahlung ist in der Regel nicht so gut wie bei Universitätsprofessoren, jedoch haben viele der Fachhochschulprofessoren noch eine Nebentätigkeit, Selbständigkeit oder Beraterverträge, die wiederum für Ihre Reputation von Vorteil ist. Wer sich also fachlich geeignet fühlt und darüber hinaus ncoh die pädagogische Eignung mitbringt, der sollte den Weg zur Fachhochschulprofessur näher in Augenschein nehmen.

 

Die Alternative zur Universitätsprofessur

Wer den steinigen und nicht gerade chancenreichen Weg zur Universitätsprofessur scheut und nicht erst nach einigen Jahren Praxistätigkeit sich um eine Fachochschulpfessur bewerben möchte, der hat die Chance in einem der vielen Forschungsinstitute in Deutschland oder auch anderen Ländern unter zu kommen. Diese finanzieren ihre Forschungstätigkeit in Regel aus öffentlichen Mitteln der EU, des Bundes, der Bundesländer sowie Drittmitteln und Froschungsaufträgen aus der Industrie. Hier reicht das Spektrum von klassicher Grundlagenforschung bis hin zu anwendungsorientierter Auftragsforschung. Bei der Auftragsforschung bestehen in der Regel enge Kooperationen mit Industrieunternehmen.

Beispiele für solche Forschungseinrichtungen sind:

  • Konferenz biologischer Fachbereiche
    Universitäre Forschung findet in über 50 biowissenschaftlichen Fakultäten und Fachbereichen statt. Trotz hoher Lehrbelastung und der im Vergleich zu den Großforschungseinrichtungen bescheidenen Forschungsetats erreicht die universitäre Foschung ein beachtenswertes Niveau.
     
  • Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF)
    16 Helmholtz-Zentren im Bundesgebiet, Finanzierung des Gesamtbudgets von ca. 3,7 Mrd. Mark zu 90% durch den Bund, zu 10% durch die Bundesländer des jeweiligen Sitzes eines Zentrums, ca. 23.000 Mitarbeiter, biowissenschaftliche Zentren: Alfred-Wegener-Institut-Bremerhaven (Meeres-, Klima- und Polarforschung), Deutsches Krebs Forschungszentrum (DKFZ, Heidelberg), Helmholtzzentrum für Infektionsforschung (GBF,Braunschweig), Helmholtzzentrum München für Gesundheit und Umwelt (GSF, Neuherberg b. München), Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin (MDC, Berlin), Helmholtzzentrum für Umweltforschung (UFZ, Leipzig-Halle), Sitz der Zentrale in Bonn.
     
  • Max-Planck-Gesellschaft (MPG)
    gegründet 1948, ca. 80 Institute davon gut 50 im Bereich Biowissenschaften, 95% des Forschungsbudgets kommen aus öffentlichen Mitteln, derzeit ca. 2,1 Mrd. Mark, ca. 11.000 Mitarbeiter, Grundlagenforschung mit immer mehr Bezug zur "Anwendung" (viele Gründerzentren an Max-Planck-Instituten), Sitz der Zentralverwaltung in München.
     
  • Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL)
    gegründet 1995 als Wissenschaftsgemeinschaft 'Blaue Liste'(sic!), 77 Institute und Serviceeinrichtungen für die Forschung, in der Sektion 'Lebenswissenschaften' sind 20 Einrichtungen, in der Sektion 'Umweltwissenschaften' 8 Einrichtungen zusammengefasst, Förderung aus öffentlichen Mitteln (Bund/Länder je 50%), Budget ca. 1,2 Mrd. Mark, ca. 11.000 Mitarbeiter, Sitz der Zentralverwaltung in Bonn.
     
  • Fraunhofer Gesellschaft (FhG)
    gegründet 1949, mit 47 Instituten in Deutschland und einigen internationalen Niederlassungen, im Bereich Biowissenschaften sind "nur" etwa eine Handvoll Institute schwerpunktmäßig tätig, zwei Drittel des jährlichen Forschungsvolumens von ca. 1,4 Mrd. Mark werden über Aufträge akquiriert, führende Organisation der "angewandten Forschung", ca. 9300 Mitarbeiter, Sitz der Zentrale in München.
     
  • Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina
    Die Leopoldina ist die älteste ununterbrochen existierende natur-wissenschaftlich-medizinische Akademie der Welt. Seit 2008 ist sie Deutschlands Nationale Akademie der Wissenschaften. Hiermit verbunden ist die wissenschaftsbasierte Politik- und Gesellschaftsberatung sowie die internationale Repräsentanz der Wissenschaft in den Gremien, in denen vorwiegend Nationale Akademien tätig sind.
     
  • Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
    Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist der Zusammenschluss der sieben deutschen Wissenschaftsakademien in Berlin, München, Göttingen, Leipzig, Heidelberg, Mainz und Düsseldorf.

Bei den Aufgaben in diesen Forschungsinstituten handelt es sich um vergleichbare Aufgaben wie an den Universitäten, mit dem gravierenden Unterschied, daß die Lehrtätigkeit fehlt, es handelt sich also um reine Forschung, d.h. dafür muß man geboren sein. Mit Ausnahme einiger anwendungsorientierter Drittmittelprojekte bzw. direkter Aufträge aus der Industrie. Jedoch gilt auch hier, daß die meisten Stellen in der Regel auf einige wenige Jahre befristet sind und es endete schon eine Wisssenschaftlerkarriere abrupt und überraschend mit 45 Jahren, dann aber nicht mehr in die Indsutrie vermittelbar, an einem dieser Institute.

 

Interessante Tätigkeitsfelder von Biowissenschaftlern: